Design is a mindset.

Vom Design-Handwerk zum Design-Denkwerk.

Gutes Design steht hinter jedem Erfolg eines kommerziellen Produktes. Der Designer selbst hat mit seinem Werk ein Zeichen in der Welt der Dinge hinterlassen. Manchmal gelang es ihm sogar sich in die materielle Kulturgeschichte einzuschreiben und damit geradezu Unsterblichkeit zu erlangen.Raymond Loewy zeichnete Züge. Frank Lloyd Wright Häuser, Charles Eames Stühle und Coco Chanel Haute Couture.Dieter Rams designte HiFi-Geräte und seine Entwürfe erlebten eine atemberaubend Renaissance.

Durch die Digitalisierung ist dieses heroische Selbstbild des Designers an sein Ende gekommen. Deshalb muss sich im Design alles ändern: Die Vorbilder sind tot. Und die Währung hat sich geändert: Früher hat sich ein Designer mit seinen Entwürfen (seiner „Mappe“!!!) im weiten Feld zwischenbKunst und Gebrauchsgrafik ein ordentliches kulturelles Kapital akkumuliert, um es dann für kommerzielle Anwendungen in kleine Münze zu konvertieren und in akademisch hoch gehandelter „Bedeutung“ oder in profane Gehalt-Schecks einzutauschen. Aber die alten Regeln, die vor dem digitalen Zeitalter noch auf eine klassische Designer-Karriere eingezahlt haben und von den Institutionen des Designs – den Hochschulen, Akademien, Councils und Wettbewerbs-Jurys – bis heute noch hochgehalten werden: sie gelten schlicht nicht mehr. Der Designer ist im digitalen Zeitalter kein Held mehr. Sein einziger Ausweg: Er muss sich auf seine eigentliche Rolle rückbesinnen. Und zum Vermittler zwischen Technologie und Lebenswelt werden.

Das Design muss alles ändern:
Die Vorbilder sind tot.
Und die Währung hat sich geändert.

Die Rolle des Designers hat sich im digitalen Zeitalter insgesamt radikal verändert. Das Design hat sich immer mehr von der Gestaltung der Welt physischer Produkte entfernt und übertrug immer mehr seine intellektuellen Prinzipien in eine neue Disziplin des Design Thinking. Diese neue Art des Denkens, mit dem weitaus komplexere Probleme und Herausforderungen einer Gesellschaft oder eines Unternehmens gelöst werden können, erfordert auch ein neues Mindset.
 

Design Thinking nutzt die Methoden des Designs, um die menschlichen Bedürfnisse mit den technologischen Möglichkeiten abzugleichen, um aus dieser Schnittmenge heraus neue Produkte und Geschäftsmodelle zu entwickeln, die neue Chancen am Markt generieren und die Kundenbindung zu stärken. Dazu brauchen Designer ein Mindset, das nicht problemorientiert, sondern lösungsorientiert ist. Es geht darum, die Zukunft einzuschätzen und mit kreativer Phantasie und Vorstellungskraft einen Entwicklungspfad zu imaginieren, der den Bedürfnissen der Kunden und Konsumenten am ehesten entspricht.

Dazu ist Empathie nötig. Das bedeutet Einfühlungsvermögen, Trendbewusstsein und Sensibilität für kulturelle Strömungen und ein tiefes Verständnis der wahren Wünsche und Bedürfnisse der Zielgruppen.Das Pfund, mit dem der Designer wuchern kann, sind seine tiefen Kenntnisse der Lebenswelten und kulturellen Diskurse, die in den angepeilten Zielgruppen eine Rolle spielen.

Das Design entfernt sich immer mehr von der Gestaltung physischer Dinge und überträgt seine Prinzipien auf das Denken. Diese Prinzipen weden als Design Thinking von grossen Teilen der Wirtschaft bereitwillig aufgenommem. 

Die Aufgabe des Designers zwischen Technologie und Lebenswelt zu vermitteln, ist an Relevanz nicht zu überbieten. Denn die Digitalisierung verändert alles: Die Art und Weise, wie wir leben und arbeiten. Was wir wert schätzen und wie wir Marken wahrnehmen. Vor dem Hintergrund immer intelligenterer Endgeräte und Produkte und neuer Regeln der Interaktion müssen Designer und Kreative sehr viel mehr als nur die Oberfläche gestalten. Das Design von Produkten und digitalen Diensten erfordert ein tiefes Wissen über die Kunden und die zugrundeliegenden technolgischen Infrastrukturen und damit ein sehr breites Kompetenzprofil und die enge Zusammenarbeit in interdisziplinären Teams.

Die besten Talente im Design haben große Ansprüche an autonomes Arbeiten, flache Hierarchien und an eine kreative Atmosphäre, die genügend Freiräume bietet und auch Fehler zulässt.

Die besten Talente im Design haben große Ansprüche an autonomes Arbeiten, flache Hierarchien und an eine kreative Atmosphäre, die genügend Freiräume bietet und auch Fehler zulässt. Gerade große Organisationen mit starren Hierarchien und engen Silos müssen glaubwürdig ihren Willen zur Veränderung kommunizieren, damit die besten Talente bereit sind, in diesen Veränderungsprozess mit einzusteigen um ihn als Change Agents voranzutreiben. Das führt in großen Organisationen auch zu Reibung und Konflikten, deshalb ist es wichtig, dass die Designabteilung eines großen Unternehmens den nötigen Schutzraum für Kreative zur Verfügung stellt und einen großen Rückhalt im Top-Management geniesst.

Innerhalb der Designteams ist ebenfalls oft ein kultureller Wandel nötig. Um für die gesamte Organisation zum Think Tank der digitalen Veränderung zu werden, müssen sich die Designer selbst überprüfen, ob ihre Ziele und Kompetenzen noch auf der Höhe der Zeit und der spezifischen Herausforderungen sind. Um die Design Culture eines Unternehmens zu erneuern und um das nötige Design Mindset aufzubauen, muss sich das Team selbst dem kulturellen Wandel stellen. Dazu ist ein systematischer Prozess nötig, mit Massnahmen der internen Kommunikation und mit innovativen Formaten interner Veranstaltungen. Damit jeder Designer des Unternehmens selbst zum Change Agent werden kann.

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