Die Digitalisierung von Wirtschaft und Gesellschaft bestimmt unsere Zukunft. Designer verstehen den tiefgreifenden Wandel aus der Sicht der Nutzer und entwickeln kreative Antworten. Deshalb ist die Design-Disziplin einer der Schlüssel zur Transformation von Produkten, Prozessen und Geschäftsmodellen.

Die Diskussion über neue Technologien darf man nicht nur technisch führen. Sie ist auch eine politische und kulturelle Auseinandersetzung über die Frage, wie wir Menschen künftig leben und arbeiten wollen.

Der Aufstieg der künstlichen Intelligenz bestimmt die Zukunft der Menschheit. Aber wird sie uns dienen oder uns beherrschen? Das ist alles eine Frage der Gestaltung. Designer kennen die Ängste, tiefen Wünsche und Bedürfnisse der Menschen. Deshalb muss sich die Designdisziplin ihrer großen Verantwortung stellen: der Humanisierung von Technologien.

Die Humanisierung von Technologien ist seit jeher die Aufgabe von Designern. Alles was auf der Welt existiert, ist das Ergebnis einer kulturellen Bearbeitung durch den Menschen und damit eines Designprozess. Jedes Mal wenn wir etwas erschaffen, designen wir – bewusst oder unbewusst. Von Produkten zu Kommunikation, Mode, Möbel bis zum Layout ganzer Städte und Infrastrukturen. Design ist Umweltgestaltung.

Designer haben in der Wirtschaftsgeschichte eine atemberaubende Karriere gemacht. Gutes Design steht hinter jedem Erfolg eines kommerziellen Produktes. Der Designer selbst hat mit seinem Werk ein Zeichen in der Welt hinterlassen und sich in die materielle Welt manchmal sogar unsterblich eingeschrieben. Raymond Loewy zeichnete Züge. Frank Lloyd Wright Häuser, Charles Eames Stühle und Coco Chanel Haute Couture. Dieter Rams designte HiFi-Geräte und seine Entwürfe erlebten eine atemberaubend Renaissance.

Aber: Für den Designer geht dieses heroische Zeitalter gerade zu Ende. Er gestaltet nicht mehr als singuläres Genie für die Ewigkeit, sondern optimiert im Team nur die nächste Betaversion in einem ziemlich liquiden Environment. Digitale Produkte, Marken und Dienste sind nie so richtig fertig. Sie werden in einem agilen Prozess in Form von Prototypen in iterativen Prozessen mit den Endkunden und den technologischen Produzenten entwickelt, die ein gleiches Maß an Mitsprache reklamieren und den Designer bei seiner Arbeit zu einer demokratischen Arbeitsweise zwingen. Also heute demokratisiert nicht der Designer das Design, sondern das Design demokratisiert den Designer.

Der Designer ist im digitalen Zeitalter kein Held mehr. Sein einziger Ausweg: Er muss sich auf seine eigentliche Rolle rückbesinnen. Er wird zum Vermittler zwischen Technologie und Lebenswelt.

Daraus leitet sich auch die Funktion eines Designers in Unternehmen ab. Er muss bei der Entwicklung und Gestaltung von Produkten und digitalen Diensten die Hoheit über die Customer Experience beanspruchen. Als Moderator im Unternehmen vermittelt er zwischen den beteiligten Instanzen und sorgt dafür, dass in allen Entwicklungsprozessen nicht nur das technisch Machbare umgesetzt wird, sondern an erster Stelle die Bedürfnisse des Kunden stehen. Als Anwalt des Verbrauchers sorgt der Designer in unserer ingenieursgetriebenen Industrie für die nötige Empathie.

Wenn Designer wieder an die Erfolge ihrer glorreichen Vergangenheit anknüpfen wollen, dann müssen sie auch heute große Momente der Sinnstiftung erschaffen und Technologien radikal humanisieren. Dafür brauchen wir in der Öffentlichkeit und Community mehr Grundsatzdebatten über die Rolle des Designers im digitalen Zeitalter. Dieser Blog soll ein Beitrag dazu sein.